Profil

Edith Stein

Die Namensgebung der Schule erfolgte 1961 auf Vorschlag der damaligen Schulleiterin, Dr. Else Niebler. FĂŒr sie war der Schulname zugleich Programm und sie machte dies bei der Feier der Namensgebung in fĂŒnf Perspektiven deutlich:

  1. Die Philosophin Edith Stein kann Richtung weisen fĂŒr eine geistige Haltung, die durch ausgeprĂ€gtes Erkenntnisstreben sowie klares sachliches und konzentriertes Denken gekennzeichnet ist.
  2. Die PĂ€dagogin, die sich in Theorie und Praxis mit den Aufgaben ganz besonders der MĂ€dchenbildung befasst hat, kann BeitrĂ€ge leisten zur ganzheitlichen Erziehungs- und Bildungsauffassung, zu der wir uns bekennen, und zum Nachdenken ĂŒber spezifische Aspekte der MĂ€dchenbildung anregen.
  3. Die Konvertitin, deren Jugend von der Suche nach Wahrheit bestimmt war, kann jungen Menschen helfen, die Frage nach Gott als zentrale Frage des Lebens zu erkennen. Ihr nach der Konversion konsequent gelebter Glaube vermag in einer religiös verunsicherten Welt Halt zu geben.
  4. Das beschauliche Leben der Karmelitin, der eine besonders innige Weise der Gotteserfahrung zuteil wurde, weist auf den Wert der Meditation, der Stille und inneren Sammlung als Kraftquelle fĂŒr unser betriebsames Leben hin.
  5. Das Opfer von Auschwitz verpflichtet, fĂŒr die Achtung der Menschenrechte und MenschenwĂŒrde in aller Welt einzutreten. Es verpflichtet die Schule, die politische Bildungsarbeit in diesem Sinn ernst zu nehmen. Edith Steins persönliche Antwort auf Unrecht und Gewalt, ihre Bereitschaft zum Lebensopfer unter dem SĂŒhnegedanken, ist Aufruf zu Versöhnung und VerstĂ€ndigung.

Diesem Programm ist die Schule bleibend verpflichtet und die fĂŒnf von Dr. Niebler genannten Perspektiven begrĂŒĂŸen jeden Besucher im Eingangsbereich der Schule.

 

„Du senkst voll Liebe
“

Der Chor 7/8 hat in diesem Schuljahr ein Lied (Gotteslob Nr. 751) mit einem Text von unserer Schulpatronin Edith Stein einstudiert. Im Februar wurde dieses Lied in der Liebfrauenkirche mit Bild und Ton aufgenommen und es ist jetzt als Video-Datei verfĂŒgbar. An der Orgel begleitet Regionalkantor Jorin Sandau, fĂŒr die Stimmbildung ist Ursula Ott verantwortlich. Der Chor 7/8 wird von Norbert MĂŒller geleitet. 

Dieser Link fĂŒhrt zu dem Kanon „Wo immer meines Lebens Straße geht, bist Du bei mir!“. Der Kanon wird demnĂ€chst im Edith-Stein-Jahrbuch veröffentlicht. 

Das Leben der Heiligen Edith Stein

 

Edith Stein, geboren am 12.10.1891 in Breslau, als Tochter streng glĂ€ubiger Juden, ist die JĂŒngste von elf Geschwistern.

 

Als sie zwei Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Bereits mit 14 Jahren bekennt sich Edith zum Atheismus, wie es unter den intellektuellen Juden zur damaligen Zeit weit verbreitet war.
EdithStein oR1911, nach bestandenem Abitur in Breslau, beginnt sie dort ein humanistisch geprĂ€gtes Studium mit Schwerpunkt Philosophie. Zwei Jahre spĂ€ter wechselt sie mit ihrer Freundin Rose Gutmann nach Göttingen zu Professor Edmund Husserl. Sein Lehrsatz „Der menschliche Verstand soll offen sein fĂŒr das Empfangen der Wahrheit aus den Dingen" beeindruckt Edith sehr. Bereits in Göttingen lernt sie in einem Seminar ĂŒber das Vater Unser zum ersten Mal den christlichen Glauben kennen. Besonders beeindrucken sie Max Schelers Schriften ĂŒber die katholische Glaubenslehre. Edith folgt Husserl nach Freiburg. Sie hĂ€lt ihn „fĂŒr einen der bedeutendsten Philosophen seiner Zeit" und ist begeistert von dessen Lehre, der PhĂ€nomenologie. Sie nimmt ihr Studium sehr ernst und folgt dem Leitsatz Kants: „Habe Zutrauen, dich des eigenen Verstandes zu bedienen". Auch beteiligt sie sich aktiv am gesellschaftlichen Leben der UniversitĂ€t und unternimmt viele Reisen durch ganz Europa.

 

1915 engagiert sie sich als freiwillige Rot-Kreuz-Helferin im Seuchenlazarett. 1916 setzt Edith ihr Studium in Freiburg fort und promoviert bei Professor Husserl zum Thema „Zum Problem der EinfĂŒhlung".

 

1917 fĂ€llt Adolf Reinach, ein guter Freund, Studienkollege und Mitglied des Kreises um Husserl. Edith wird daraufhin von Anna Reinach gebeten, dessen Nachlass zu ordnen. Der Umgang Annas mit dem Tod ihres Mannes beeindruckt Edith, hat diese doch Trost in der Überzeugung gefunden, dass durch Jesus am Kreuz das Leben ĂŒber den Tod gesiegt hat.

 

Im Herbst 1921 hĂŒtet sie in Bad Bergzabern das Haus ihrer Freundin Hedwig Conrad-Martius, ebenfalls Husserl-SchĂŒlerin. Dort findet sie eine Autobiographie von Teresia von Avila, die den Karmeliterorden reformiert hatte. Beeindruckt von ihren Schriften, entschließt sie sich zum katholischen Glauben zu konvertieren. Am Neujahrstag 1922 wird sie von Pfarrer Breitling in Bad Bergzabern getauft. Um ihre Mutter nicht noch mehr zu verletzen, schließt sie sich zunĂ€chst nicht dem Karmeliterorden an.

 

Edith wird Lehrerin fĂŒr Deutsch und Geschichte am Lehrerinnenseminar und fĂŒr die Abschlussklasse des MĂ€dchenlyzeums in Speyer. WĂ€hrend ihrer achtjĂ€hrigen LehrtĂ€tigkeit wohnt sie im Kloster. Sie passt sich dem Leben in ZurĂŒckgezogenheit und Bescheidenheit vollstĂ€ndig an. Ab 1928 unternimmt sie mehrere Vortragsreisen durch ganz Europa, gibt 1931 auf Anraten von Erzabt Walzer ihre Lehrstelle auf und widmet sich wieder der Wissenschaft. So ĂŒbersetzt sie in den Jahren 1932-33 Thomas von Aquins Schrift „Über die Wahrheit".

 

Im Sommer 1931 besucht sie ihr Elternhaus in Breslau. Ihre Schwester Rosa zeigt sich sehr fasziniert von Ediths Glauben. 1931 geht Edith erneut nach Freiburg zu Professor Husserl. Ihre Absicht ist in Freiburg zu habilitieren, als Frau erhĂ€lt sie jedoch keine Professur, obwohl ihre VortrĂ€ge weit ĂŒber die Grenzen Deutschlands hinaus anerkannt sind. Sie entscheidet sich, Dozentin am Deutschen Institut fĂŒr wissenschaftliche PĂ€dagogik in MĂŒnster zu werden. Ihr bescheidenes Auftreten und ihre asketische Frömmigkeit beeindrucken viele – was sie lehrt, das lebt sie.

 

Die Machtergreifung Hitlers 1933 hat Auswirkungen auf Ediths TĂ€tigkeit am Institut. Edith sieht in Hitler einen Feind Gottes, der Deutschland mit sich ins Verderben ziehe, deswegen strebt sie nach einer Privataudienz bei Papst Pius XI., um ihn um eine Enzyklika zum Schutz der Juden zu bitten. Sie trĂ€gt ihr Anliegen schriftlich vor, erhĂ€lt den Segen fĂŒr sich und ihre Angehörigen, der Papst wird in ihrem Sinne jedoch nicht tĂ€tig. Die Nationalsozialisten verabschieden mehrere antijĂŒdische Gesetze, was zur Entlassung jĂŒdischer Professoren und anderer Beamte fĂŒhrt. Auch Edith verliert ihre DozententĂ€tigkeit. Auf der Osterreise 1933 nach Beuron hĂ€lt sie sich kurz im Karmel Köln-Lindenthai auf. Am 30. April 1933 fĂ€llt sie dann die endgĂŒltige Entscheidung, dem Karmel beizutreten. Ab dem 16. Juli 1933 wohnt Edith als Gast im Kölner Karmel, in den sie im Oktober 1933 endgĂŒltig eintritt. Der ungelöste Konflikt mit ihrer Mutter und dem Rest ihrer Familie bedrĂŒckt sie, der Abschied fĂ€llt allen schwer.

 

Ediths Einkleidung findet am 15. April 1934 statt. Viele ihrer Freunde nehmen an der Feier teil. Edith wĂ€hlt sich den Namen Schwester Teresia Benedicta a Cruce. Am Ostermorgen 1935 legt sie ihr OrdensgelĂŒbde ab. Sie bekommt hĂ€ufigen Besuch von ihren alten Freunden und hĂ€lt regen Briefkontakt zu SchĂŒlern und Gelehrten. Auch bemĂŒht sie sich um Kontakt zu ihrer Familie, das Schweigen ihrer Mutter krĂ€nkt sie jedoch tief.

 

Zu Ediths großer BestĂŒrzung erhĂ€lt sie am 14. September 1936 die Nachricht, dass ihre Mutter verstorben sei. Noch im selben Jahr tritt Rosa, die sich vorher um die Mutter gekĂŒmmert hatte, in den Karmel ein, am Heiligabend 1936 wird sie getauft.

 

Zum 300-jĂ€hrigen JubilĂ€um des Karmels 1937 beteiligt sich Edith intensiv an den Vorbereitungen, wodurch in ihr der Wunsch nach erneuter wissenschaftlicher TĂ€tigkeit wĂ€chst. Sie beendet ihr philosophisches Lebenswerk „Endliches und ewiges Sein - Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins". Am 21. April 1938 legt Schwester Teresia Benedicta a Cruce ihr ewiges GelĂŒbde ab. Das Leben fĂŒr Juden wird immer bedrohlicher, so flieht Edith in der Neujahrsnacht 1938/39 in den Karmel zu Echt nach Holland, um den Kölner Karmel und sich selbst nicht zu gefĂ€hrden, 1940 folgt ihre Schwester Rosa. Im selben Jahr werden die Niederlande von der deutschen Armee besetzt. Ihr letztes Werk „Kreuzeswissenschaft" ĂŒber die Theologie des Kreuzes und das Leben im Wahrzeichen des Kreuzes kann sie nicht fertig stellen; Edith ist von Anfang an klar, dass kein Weg am Kreuz vorbeifĂŒhrt. Am 2. August 1942 werden Edith und Rosa von der Gestapo verhaftet und kommen am 7. August 1942 in Auschwitz an, wo sie zwei Tage spĂ€ter in den Gaskammern sterben.

 

Am 1. Mai 1987 wird Edith Stein von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen, 11 Jahre spÀter, am 14. Oktober 1998, folgt die Heiligsprechung. Ihr liturgischer Gedenktag ist am 9. August.

 

 

Almuth Hoffmann (Abitur 2006)

Silke Santner (Abitur 2007)