Besinnungstage in Taizé

Am Mittwoch, den 16.7.2014 um 8:00 Uhr haben wir, eine Gruppe von etwa 40 Schülern aus den Klassen 10 und 11 gemeinsam mit Frau Anders, Frau Wagner und Herrn Kluck unsere Besinnungstage in einen kleinen Ort in Frankreich namens Taizé angetreten, der auf einer normalen Landkarte nicht einmal zu sehen ist.

 

Nach der etwa 7-stündigen Fahrt waren noch nicht alle aus dem Bus ausgestiegen, da begrüßten uns schon ein paar Jugendliche aus Hamburg. Wir merkten sofort, dass hier eine ganz andere Atmosphäre herrscht, als wir es in Deutschland gewohnt sind.

 

Zu Beginn wurden wir von einer jungen Frau empfangen, mit den Regeln vertraut gemacht und gleich ein paar freiwilligen Arbeiten wie KĂĽchendienst und MĂĽll einsammeln zugeteilt.

Danach durften wir einen Teil des Zeltplatzes beziehen und unsere Lager aufschlagen.

Viel Zeit blieb dann nicht mehr, da es um 19:00 Uhr Abendessen und im Anschluss um 20:30 Uhr das Abendgebet gibt.

 

Das Essen wird in der Regel von Jugendlichen ausgeteilt. Man bekommt ein Tablett, ein Schälchen für Wasser, einen Teller mit Essen, Brot, einen kleinen Nachtisch und Obst. Morgens steht jedem ein Brötchen mit Butter, zwei Stückchen Schokolade und entweder Tee oder Kakao bereit. Zunächst mag es ungewohnt sein, dass es kein Besteck gibt und auch zu den anderen Mahlzeiten liegt nur ein Löffel bei, aber nach etwas Übung stellt das kein Problem mehr dar.

 

Taize Zelt

Das erste Gebet in Taizé am Abend war dann wirklich etwas besonderes, zumindest für die, die zum ersten Mal dort waren. Allein schon die Kirche ist ganz anders als die meisten von uns es in Deutschland kennen – man sitzt auf dem Boden und Schultern und Hüften sind zu bedecken. Die Mönche haben in der vorderen Mitte einen Platz für sich, aber auch diese knien oder sitzen auf kleinen Bänkchen.

 

Die Atmosphäre ist nicht vergleichbar mit einem „normalen“ Gottesdienst und anstatt einer Predigt wird für ungefähr 10 Minuten Stille eingehalten. Sehr beeindruckend war, dass dies mit rund 2500 anwesenden Personen tatsächlich funktioniert hat.

Die Lieder, die gesungen werden, sind eher kurz und werden sehr oft wiederholt, was aber ĂĽberhaupt nicht nervig oder langweilig ist, sondern ganz im Gegenteil sehr beruhigend und entspannend auf uns wirkte.

 

Jetzt fragt ihr euch aber bestimmt, wie ein Gottesdienst mit 2500 Menschen aus verschiedenen Ländern gehalten werden kann? Für dieses Problem gibt es eine ganz einfache Lösung. Der Bibeltext wird meistens in Französisch und in Englisch vorgelesen und eine Art Zusammenfassung noch mal in so ziemlich jeder Sprache, die dort vertreten ist. Die Lieder werden in verschiedenen Sprachen gesungen, d.h. wenn z.B. ein polnisches Lied gesungen wird, man aber kein polnisch kann, dann hört man sich einfach an, wie es gesungen wird und macht dann mit.

 

Nach dem Abendgebet besteht die Möglichkeit, in der sich langsam leerenden Kirche zu bleiben und weiter zu singen, was sehr schön sein kann; viele haben sich aber auch noch im Oyak getroffen – hier wird gemeinsam Musik gemacht, getanzt, gespielt und gesungen. Auch bietet sich hier im dazugehörigen Kiosk die Möglichkeit an, Getränke oder eine Kleinigkeit zu essen zu kaufen, und das zum Selbstkostenpreis, also weitaus günstiger als im Supermarkt.

 

Am nächsten Tag konnten wir dann den gesamten Tagesablauf mitmachen. Hierbei gab es zuallererst das Morgengebet um 08:15 Uhr und anschließend das Frühstück. Um 10:00 Uhr wurden wir zunächst von einem Bruder anhand eines Bibeltextes in den Tag eingeleitet. Anschließend wurden wir in z.T. internationale Gruppen von etwa 6-8 Personen eingeteilt, mit denen wir uns zuerst über den bereits erhaltenen Bibelauszug und die hierzu aufgelisteten Fragen unterhalten und schließlich, falls Lust bestand, Spiele gespielt haben.

 

Taize Diskussion

Um 12:20 Uhr gibt es dann ein Mittagsgebet mit anschlieĂźendem Mittagessen.

Nachmittags kann man noch mal in den Kleingruppen zusammen kommen und kann reden, eine Stille einhalten oder sich anderweitig beschäftigen.

Gegen 17:15 wird Tee ausgegeben; wir haben uns hierzu immer gemeinsam mit unseren Betreuern getroffen, um Fragen stellen oder gegebenenfalls Probleme lösen zu können.

Später kamen wir dann wie am Tag zuvor zum Abendessen und Abendgebet zusammen. So sahen im groben unsere verbliebenen 3 Tage aus.

 

Zwischen all diesen festgelegten Zeiten hat man auch viel Zeit für sich, die man nutzen kann, um sich in der den ganzen Tag geöffneten Kirche zu entspannen oder zu lesen, mit Freunden oder neuen Bekannten zusammen zu sitzen, gemeinsam mit anderen Interessenten zum Einüben der Gesänge zu treffen, auf Veranstaltungen verschiedener Länder zu gehen oder den Aufgaben, zu denen man eingeteilt war, nachzugehen.

 

Wem die Ruhe in der Kirche nicht genügt, sollte unbedingt den zum Gelände gehörenden See aufsuchen. Die 10 Minuten Fußweg lohnen sich – das Wasser ist in seiner Natürlichkeit unberührt und durch das Schwimmverbot steht der Besinnung nichts im Wege.

 

Natürlich ergeben sich auch Gelegenheiten, um sich zu duschen. Die Bäder befinden sich nur ein paar Meter von den Zelten entfernt und meist braucht man weder für die Toiletten noch für die Duschen zu warten, da es genügend gibt. Auch sind diese meist einigermaßen sauber – schließlich gibt es in den Gruppen auch Dienste, denen diese nachzugehen haben, und hierzu gehört eben auch, die Bäder sauber zu halten.

 

Generell, und hierin besteht ein wohl sichtbarer Unterschied zum Alltag, achtet in Taizé aber auch niemand so pingelig wie sonst auf sein Äußeres. Die große Mehrheit der Mädchen läuft ungeschminkt herum und auch eine gemütliche Jogginghose sollte im Gepäck nicht fehlen. Auch bleibt das Handy meist in der Tasche, und so abschreckend dies für den einen oder anderen klingen mag, haben wir nur positive Erfahrungen damit gemacht.

 

Am Samstagnachmittag nach dem Tee wurde unsere deutsche Gruppe zu einem Gespräch mit Bruder Georg, der aus Deutschland stammt, eingeladen. Dieser hat uns über sein Leben in der Brüdergemeinschaft erzählt, was uns alle sehr beeindruckt hat, und wir durften ihm Fragen stellen. Der Gottesdienst an diesem Abend erwies sich als noch gemütlicher als die bisher erlebten: Alle bekamen eine Kerze und als diese schließlich alle am brennen waren, überkam einen eine ungewohnte Behaglichkeit.

 

Am Sonntag mussten wir erst mal unser Gepäck zusammen räumen und unsere Zelte abbauen, was uns durch den strömenden Regen leider etwas erschwert wurde. Als dies aber geschafft war, konnten wir uns mit einem Frühstück stärken. Nach dem Sonntagsgottesdienst um 10:00 Uhr haben wir Taizé dann verlassen. Als Andenken für Zuhause eignen sich die von den Brüdern selbst hergestellten Ketten oder Postkarten, die es in einem kleinen Laden zu kaufen gibt.

 

Taize Kirche

Drei Gottesdienste am Tag mag sehr viel klingen, zumal einige wohl „nur“ an Weihnachten in die Kirche gehen, doch hierbei sollte man auf keinen Fall zu schnell urteilen und sich auf diese einmalige Erfahrung einlassen. Vergleichbar sind diese nämlich nicht mit denen, die wir kennen und wenn jeder mitmacht und von allen Seiten her singende Stimmen ertönen, merkt wohl jeder, dass Gottesdienste hier Freude bereiten.

 

Insgesamt kann man sagen, dass Taizé auf jeden Fall eine Erfahrung wert ist und nicht so einfach mit Worten beschrieben werden kann. Diese Atmosphäre und das Gefühl einer Gemeinschaft, obwohl man sich nicht kennt, ist unbeschreiblich. Jeder spricht jeden an, man hilft sich gegenseitig und interessiert sich für seine Mitmenschen. Auch kann es spannend sein, Personen aus anderen Ländern kennen zu lernen – z.T. reisen diese nämlich von weit her an. Ein solches Gefühl wo anders zu finden, kann sehr schwer sein, aber in Taizé ist es völlig normal. Wir denken, dass genau das das besondere an diesem kleinen, behaglichen Ort ist, der sich so weit weg vom Alltag befindet und dass dies der Grund ist, weshalb jährlich so viele Jugendliche und auch Erwachsene Taizé aufsuchen. Es gibt wohl kaum eine bessere Gelegenheit, um zu sich selbst und zu anderen Menschen zu finden und viel über sich, über unseren Glauben und das Zusammenleben mit anderen zu lernen.

 

Sophie und Kathrin