Erinnerung wach halten - Stolpersteine putzen

Die Erinnerung wach halten – Stolpersteine putzen

Eine Aktion der Klasse 9a

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„Ich wünsche mir, dass jemand weiß, dass ich gelebt habe.“ Diese Nachricht fand man auf einem Fetzen Papier im Konzentrationslager Auschwitz, geschrieben von David Berger, der mit 12 Jahren dort ermordet wurde. Millionen Menschen wurde zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet, für die meisten von ihnen gibt es kein Grab, keinen Ort der Erinnerung, keine Geschichten, die im Familienkreis weitergegeben werden.

Die Erinnerung wach halten sollen die „Stolpersteine“, ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, der seit dem Jahr 2000 Erinnerungssteine an Opfer von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung in den Bürgersteig vor ihrem letzten Wohnort oder ihrer Arbeitsstelle verlegt. Seit 2005 gibt es diese Aktion auch in Darmstadt, organisiert vom „Arbeitskreis Stolpersteine in Darmstadt“ in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt.

Im Laufe der Zeit verblassen allerdings die Messingplatten und dunkeln nach, so dass die Inschriften mit den Namen der einzelnen Opfer nicht mehr zu lesen sind – die Steine müssten also von Zeit zu Zeit gereinigt werden.

Auf Anregung von Michaela Rützel vom „Arbeitskreis Stolpersteine in Darmstadt“ entschloss sich die Klasse 9a der Edith-Stein-Schule mit ihrem Geschichtslehrer, Herrn Hansmann, die Unterrichtszeit zum Putzen von 35 Stolpersteinen in Bessungen zu nutzen. In kleinen Gruppen übernahmen sie die Verantwortung für jeweils zwei Steine und beschäftigten sich zur Vorbereitung mit den Biographien der jeweiligen Menschen.

Am 10.4.2014 ging es dann an die Arbeit: in der 3. und 4. Stunde spazierten die Schülerinnen und S DSC4329chüler zu „ihren“ Steinen und schrubbten sie mit Wasser und Putzmittel wieder blank. „Ich finde es schön, dass sie wieder glänzen“, meinte eine Schülerin, die die von ihr gereinigten Steine jeden Tag auf dem Schulweg sieht und nun weiß, welches Schicksal sich hinter den Namen verbirgt. Ein anderer Schüler fand die Gespräche, die sich mit Passanten verschiedenen Alters ergaben, „cool“. Dass ein Anwohner nicht nur lobte, sondern auch einen Kaffee ausgab, war ein besonders schönes Erlebnis.

Bei der abschließenden Besprechung berichteten die jungen Leute von überwiegend positiven Reaktionen auf ihre Tätigkeit, aber auch von skeptischen Blicken oder sogar gelegentlicher Ablehnung. Insgesamt fanden sie die Aktion sehr sinnvoll und wichtig – Geschichte wurde lebendig und bedeutsam für die Gegenwart und durch die Steine bekommen die namenlosen Opfer ein Gesicht und ihren Namen zurück.

Im nächsten Schuljahr soll die Aktion wieder von einer 9.Klasse fortgefĂĽhrt werden – und die Akteure hoffen, dass sich auch andere Gruppen oder einzelne BĂĽrger auf diese Weise engagieren , damit die Erinnerung im gesamten Stadtgebiet wach gehalten und weitergegeben wird.  kg

Fotos ha