Workshop "Freiheit ist..."

Workshop „Freiheit ist
“

Am Dienstag, den 07. MĂ€rz 2017 mussten wir erst um 8:30 Uhr in der Schule erscheinen. Wir: Das ist der Geschichts-Grundkurs der Jahrgangsstufe 12 bei Frau Marks. An besagtem Dienstag hatten wir nĂ€mlich kein Unterricht, sondern haben als erste DarmstĂ€dter Gruppe den Workshop „Freiheit ist
“ der Deutschen Gesellschaft e.V. belegt. Der Workshop befasst sich mit dem Thema der Aufarbeitung der SED-Diktatur in der DDR. Veranstalter ist die Deutsche Gesellschaft, die mit ihren Angeboten zum Ziel hat, die Teilung Deutschlands zu ĂŒberwinden, das Miteinander in Deutschland und Europa zu fördern sowie Vorurteile abzubauen. Außerdem wird der Workshop von der Bundesstiftung Aufarbeitung mit Geld des ehemaligen SED‑Parteivermögens gefördert.

Wir haben uns in dem Workshop mit dem Thema DDR sehr detailliert beschĂ€ftigt, gegliedert war der Workshop folgendermaßen: ZunĂ€chst erhielten wir einen historischen Überblick ĂŒber die Geschichte der DDR, danach befassten wir uns mit dem Bildungssystem und Jugendorganisationen in der DDR, nach einer ersten Pause beschĂ€ftigten wir uns mit dem Ministerium fĂŒr Staatssicherheit (Stasi), abschließend wurde dann die Friedliche Revolution von 1989 behandelt. Im Vorfeld hat sich unser Grundkurs dafĂŒr entschieden den Schwerpunkt auf das Thema Stasi zu setzen, was von unserer Referentin Frau Kallweit auch so gemacht wurde.

Bild1Die Deutsche Demokratische Republik wurde offiziell am 7. Oktober 1949 und somit fĂŒnf Monate nach der Bundesrepublik gegrĂŒndet. Der Grundsatz der DDR war der Sozialismus mit dem Ziel des Kommunismus nach dem Vorbild der Sowjetunion. Daraus folgt, dass die DDR ein Arbeiter- und Bauernstaat sein sollte, was auch durch den Hammer (Arbeiter), Ährenkranz (Bauern) und den Zirkel (Akademiker) im Wappen der DDR ausgedrĂŒckt wird. Das Leitthema der DDR war die soziale Gerechtigkeit, also die Schaffung von gleichen Bedingungen fĂŒr alle, damit war auch eine Planwirtschaft verbunden. Der Sozialismus ist eine Utopie von einem perfekten und gerechten Staat, die bisher in noch keinem Land erfolgreich umgesetzt werden konnte. Auch im Falle der DDR zeigte sich schnell, dass die Wirtschaft der Bundesrepublik stĂ€rker war als die der DDR. Einerseits lag das an der Subventionierung der Wirtschaft der BRD durch den Marshall-Plan der amerikanischen Regierung, andererseits aber auch daran, dass die Planwirtschaft in der DDR eine Weiterentwicklung stark hemmte. Somit war die BRD der DDR technisch immer weit voraus, was natĂŒrlich auch den DDR-BĂŒrgern nicht entging. Die DDR hatte in der Zeit von ihrer GrĂŒndung bis zum Mauerbau 1961 einen Weggang von circa 2,8 Millionen BĂŒrgern. Das machte 17 % der DDR-BĂŒrger aus. Von den FlĂŒchtenden war die HĂ€lfte noch unter 25.

Die Kindheit in der DDR war strikt gegliedert: Ab einem Alter von fĂŒnf Monaten kamen die Kinder in eine Kinderkrippe, ab drei Jahren in den Kindergarten und ab sechs Jahren in die Schule. Bild2Somit war von klein auf eine sozialistische Erziehung und der schnellstmögliche Wiedereintritt von Mutter und Vater in den Arbeitsmarkt gewĂ€hrleistet. Es gab in der DDR zwei Schulformen: die Polytechnische Oberschule (POS), die bis zur 10. Klasse ging, und die Erweiterte Oberschule (EOS), die bis zur 12. Klasse ging. Es durften aber nur 10 % jedes Jahrgangs die EOS auf Empfehlung der zustĂ€ndigen Lehrkraft, meist unabhĂ€ngig von den eigentlichen Leistungen besuchen. Neben der Schule gab es auch außerschulische Organisationen: Von der 1. bis zur 3. Klasse war es erwĂŒnscht, den Jungpionieren beizutreten, von der 4. bis zur 7. Klasse den ThĂ€lmannpionieren. Mit 14 Jahren gab es als große Feierlichkeit, vergleichbar mit Konfirmation oder Firmung, die Jugendweihe nach der man bis zu einem Alter von 25 Jahren der Freien Deutschen Jugend (FDJ) angehörte. So wurde in der DDR ein Staatskult erschaffen, der als Ziel ganz klar eine politische Erziehung im Sinne der SED-Regierung hatte. Unsere Referentin brachte uns die Kindheit in der DDR durch Magazine ihrer eigenen Kindheit etwas nĂ€her.

Im zweiten Themenblock behandelten wir dann den Umgang mit Andersdenkenden in der DDR. Die Rock ÂŽn‘ Roll- und Hippie-Bewegung wurde in der DDR abgelehnt und massiv bekĂ€mpft, da Subkulturen verboten waren. Viele Jugendliche wurden auch in sogenannte Jugendwerkhöfe eingewiesen. GrĂŒnde hierfĂŒr waren ein politisches Andersdenken der Eltern, Fluchtversuche von Eltern oder auch das Leben in einer Subkultur. In diesen Jugendwerkhöfen mussten die Jugendlichen extreme SportĂŒbungen bis zum Umfallen (im wahrsten Sinne des Wortes) durchfĂŒhren. Wurde Widerstand ausgeĂŒbt konnten die Jugendlichen in eine Arrestzelle gesperrt werden, teilweise Monate lang. Über die Einweisung in solche Jugendwerkhöfe haben in der DDR keine Gerichte entschieden, sondern einzig und allein das Jugendamt. Von 1945 bis 1990 bestanden in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. in der DDR etwa 30 Jugendwerkhöfe parallel mit ungefĂ€hr 3.300 PlĂ€tzen.

Bei VolljĂ€hrigen geschah der Umgang mit Andersdenkenden ĂŒber das Ministerium fĂŒr Staatssicherheit (Stasi). Dieses hatte hauptamtliche Mitarbeiter und inoffizielle Mitarbeiter, die hauptsĂ€chlich fĂŒr die Bespitzelung von Personen zustĂ€ndig waren, aber oft auch selbst bespitzelt wurden. Ziel der Stasi war die „Zersetzung der Seele“ von Regimegegnern. Hierbei sollten die Psyche und die sozialen Bindungen der Opfer zerstört werden. Dies geschah durch eine komplette Überwachung, durch die alltĂ€gliche und private Informationen ĂŒber die Person recherchiert wurden. Aus der Recherche sollten Schwachstellen einer Person gefunden werden, die dann durch die Zerstörung von Beziehungen oder die Entwicklung beruflicher Probleme ausgenutzt wurden. Ein anderes Mittel der Zersetzung waren auch heimliche aber offensichtliche EinbrĂŒche, die die Opfer verwirren und ihnen Angst machen sollten. Zielgruppe der Stasi waren vor allem unangepasste Jugendliche, Systemgegner, Leute mit kirchlichem Hintergrund oder Kontakten in den Westen, KĂŒnstler, Schriftsteller und Prominente. All diesen Leuten wurden nahezu alle Freiheiten geraubt. Allgemein gab es sehr viele Freiheiten, die wir heutzutage als selbstverstĂ€ndlich ansehen, in der DDR nicht, z.B. das Recht auf PrivatsphĂ€re, die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, der Schutz des Eigentums, die Wahlfreiheit, die Reisefreiheit etc. In diesem Zusammenhang stellten wir uns selbst auch die Frage „Werden wir mancher dieser Freiheiten durch soziale Medien, das Internet und die immer grĂ¶ĂŸer werdende Vernetzung heutzutage wieder beraubt?“

Bild3Nach einer Mittagspause mit gemeinsamen Pizzaessen kamen wir dann zum letzten Themenblock: die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung. Die Opposition gegen die DDR entstand in Kirchen, da das SED‑Regime sich nicht traute an diesen Orten einzugreifen, um Kritik und die Erweckung von Aufmerksamkeit westlicher Staaten zu vermeiden. Ab 1975 wurde in den Schulen Wehrkundeunterricht gegeben, falls eine Landesverteidigung nötig werden sollte. Auch durch spezielle Aufgaben zum Beispiel im Mathematik-Unterricht, die als Thema das MilitĂ€r hatten, wurde versucht, schon junge SchĂŒler fĂŒr das Thema zu sensibilisieren. In den 80er Jahren wurde die Oppositionsbewegung immer grĂ¶ĂŸer. Das nebenstehende Schaubild zeigt die verschiedenen Einflussfaktoren, die die Menschen dazu bewegten, sich dem Widerstand anzuschließen. Am 4. September 1989 fand die erste Montagsdemonstration an der Nikolai Kirche in Leipzig statt. Die Montagsdemonstrationen wurden immer grĂ¶ĂŸer und die Angst vor dem Regime schwand immer mehr. Am 9. November 1989 wurde in einer Pressekonferenz von GĂŒnter Schabowski eine mögliche Ausreise bekannt gegeben. Auf die Frage eines Journalisten, ab wann das in Kraft trete, antwortete Schabowski fehlerhaft „Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzĂŒglich...“. Die Grenzsoldaten waren hierĂŒber allerdings nicht informiert. Aufgrund des großen Menschenandrangs fĂŒhlten sich die Soldaten am GrenzĂŒbergang Bornholmer Straße um 23:30 Uhr dazu genötigt, die Grenze zu öffnen!

Zum Abschluss des Themenblocks haben wir in drei Gruppen noch kleine Rollenspiele vorbereitet, die die Reaktion der SED-Parteigenossen, der DDR-BĂŒrgerrechtler und der BesatzungsmĂ€chte darstellen sollten. Nach dem Vorspiel musste der Rest des Kurses erraten, welche Gruppe gerade dargestellt wurde. Auch diese Aufgabe hat uns allen sehr viel Spaß gemacht. Nach einem Abschlussquiz ĂŒber die DDR war unser Workshop beendet. Wir haben an diesem Tag sehr viel Neues und sehr viele interessante Details ĂŒber die DDR erfahren, so können wir nun das vereinigte Deutschland auf eine neue Art wertschĂ€tzen und genießen.

Von Franziska Heyd, Theresa Wagner und Paul Röschner