Deutsch-Französisches Erasmus+-Projekt

24. -29. März 2023 in Darmstadt

Nach einer langen Pause ohne reale Austausche wurde es wieder Zeit für echte Begegnungen. Gelegenheit dazu bot die langjährige Freundschaft mit Frau Esnault-Bub, die in Darmstadt gelebt und Französisch unterrichtet hat, bevor sie nach Frankreich zurückging. Seit einigen Jahren unterrichtet sie Deutsch an der Institution Notre Dame in Chartres, ca. 100 km südlich von Paris, und hat die Grundsatzvereinbarung des Erasmus+-Projekts von ihrer Vorgängerin übernommen. Zur Durchführung fehlte nur noch die deutsche Partnerschule. Als mir Frau Esnault-Bub 2021 von dem angedachten Projekt erzählte, wurde schnell klar, dass wir es gemeinsam angehen wollen. Die Fachschaft Französisch und die Schulleitung waren genauso bereit, das Projekt mitzutragen. Nach pandemiebedingter Verschiebung konnten wir das Projekt 2023 endlich durchführen, passend zum Jubiläumsjahr „60 Jahre Elysée Vertrag“. Mit der Unterzeichnung legten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Grundstein für die deutsch-französische Versöhnung. Ein neues Kapitel begann, auch für Europa.

Unser Projekt ist ein gutes Beispiel dafür. Es handelt sich um ein Erasmus+ – Projekt, welches von der Europäischen Union gefördert wird und sich mit dem Thema „Wiederaufbau in Deutschland nach 1945“ befasst. Französische und deutsche Jugendliche sollen zusammen die gemeinsame Geschichte erkunden, sich austauschen und über die geteilten Erfahrungen und Erlebnisse sich der gemeinsamen Werte bewusstwerden, die für ein friedliches Miteinander in einem demokratischen Europa von Bedeutung sind und für die sie bereit sind einzutreten, vor dem Hintergrund komplexer Herausforderungen.

Bei der Ausgestaltung des Programms sollte neben dem inhaltlichen Aspekt auch das gegenseitige Kennenlernen und gemeinsame Handeln nicht zu kurz kommen. Daraus wurden fünf erlebnisreiche Tage mit vielfältigen gemeinsamen Unternehmungen für ca. 25 Schülerinnen und Schüler aus der Seconde (15 / 16 Jahre alt) und ca. 25 ESS – Schülerinnen und – Schüler aus der Jahrgangsstufe 11.

Die französische Gruppe wurde begleitet von Frau Esnault-Bub und ihrer aufgeschlossenen und beherzten Sport-Kollegin Frau Chevalier, die sich von der Sprachbarriere nicht hatte abhalten lassen. In der Jugendherberge am Woog fand die Gruppe die passende Unterkunft vor malerischer Kulisse.

Isabelle Rodrigues

 

Tag 1
Bienvenue!

Nach einer langen Reise kam die französische Gruppe am Freitagnachmittag an und richtete sich in der Jugendherberge mit dem einladenden Blick auf den Woog ein. Dann kamen auch schon die deutschen Partner:innen, um sie willkommen zu heißen. Gesehen hatten sie sich ein paar Wochen vorher bei einer Videokonferenz in der Schule. Anschließend waren Tandems gebildet worden, damit alle persönlich in Kontakt treten konnten. Somit war die erste Hürde genommen und das Begrüßungsgeschenk konnte gleich überreicht werden. Das Eis war gebrochen. Dann ging es bei schönstem Sonnenschein auf die Mathildenhöhe. In einer informativen Präsentation wurde das UNESCO-Welterbe vorgestellt. Nächste Etappe war die Rosenhöhe, wo sich alle angeregt unterhielten – die Sprachbarriere war dabei kein Hindernis mehr – und lachten, als würden sie sich schon ewig kennen. Um 18 Uhr erwartete das erste deutsche Abendessen die französische Gruppe in der Jugendherberge, wo sich alle verabschiedeten und für den nächsten Tag verabredeten.

Isabelle Rodrigues

Tag 2
Stolpersteine, Stadtrally – Erinnerungskultur

Das Projekt „Stolpersteine“ war für Samstag den 25. März angedacht. Dafür haben wir uns im Pavillon getroffen, die deutsche Gruppe (mehr oder weniger) etwas früher, da noch organisatorische Sachen anstanden. Das Wiedersehen mit den französischen Austauschülerinnen und -schülern verlief eher etwas verhalten ab, man kannte sich schließlich erst einen Nachmittag. 

Frau Rützel, eine ehemalige Lehrerin der ESS, stellte anschließend das Projekt vor. Frau Rützel engagiert sich ehrenamtlich im Verein Darmstädter Geschichtswerkstatt im Arbeitskreis Stolpersteine. Die Stolpersteine sind Teil des Projekts des Künstlers Günther Demnig. Ende April erhielt Frau Rützel für ihr großes Engagement die Ehrenurkunde der Stadt Darmstadt. Sie erzählte uns zum Teil auf Französisch von der Herkunft der Stolpersteine und was für eine wichtige Bedeutung sie bis jetzt noch haben: sie dienen als Erinnerung an all die ermordeten Juden und Jüdinnen während des zweiten Weltkrieges und an ihr grausames Schicksal. Jeder Stolperstein besitzt eine eigene Gravur, einen Namen, einen Menschen der nie wieder nach Hause zurückgekehrt ist. Und vor eben jenem Zuhause befinden sich diese Andenken und weisen auf die Menschen hin, die damals dort gelebt haben.

Nach Ende des Vortrags wurden Gruppen aus deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern gebildet, in welchen sich mit einer Person oder sogar einer Familie beschäftigt wurde. Mehrere Seiten an Text wurden zum Durchlesen ausgeteilt, um diese für die französischen Partnerinnen und Partner grob aus der deutschen in die französische Sprache zu übersetzen. Die Schwierigkeit hierbei bestand nicht nur in der Sprachbarriere, sondern auch darin, nur die wichtigsten Informationen präzise zu übersetzen. Ja, es war wirklich nicht einfach. Nachdem die Übersetzungsarbeit geleistet war, setzte man sich in Richtung des Stolpersteins der Person bzw. der Familie in Bewegung und lief (natürlich) erstmal an diesem vorbei. Wenn man ihn dann schließlich gefunden hatte, ging es auf die Knie und ans Schrubben, bis die Oberfläche wieder glänzte.

Zurück im Pavillon erfolgte ein kurzes Stimmungsbild und es wurde sich über das Projekt und jener Wichtigkeit ausgetauscht.

Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass es ein sehr wichtiges und auch lehrreiches Projekt war, nach dem einem die Hände vom starken Schrubben ein klitzekleines bisschen wehtaten.

Mia Hofmann

Der Stadtrallye stand zeitweise der Regen im Weg, aber die Erkundung ermöglichte einen guten Überblick. Es ging auch keiner verloren! In kleinen Gruppen trafen sich abschließend alle zum Abendessen in verschiedenen Darmstädter Lokalen.

Tag 3
Historisches Museum Frankfurt / Main: Wandel und Kontinuität

Am Sonntag dem 26.3. stand ein Tagesausflug mit unseren französischen Austauschschülern nach Frankfurt an. Zunächst haben wir das Historische Museum aufgesucht und dort gemeinsam eine Führung zur Thematik „Frankfurt einst und jetzt” belegt. 

Wegen dem Ausfall der französischen Führung wurde uns die Aufgabe übertragen, den französischen Schülern den Inhalt zu übersetzen und wir hatten die Gelegenheit, unsere sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern. Zusätzlich haben wir viele interessante Fakten über die Stadt und ihre Geschichte erfahren. Anschließend durften wir uns in kleine Gruppen aufteilen, in denen wir uns etwas zu essen beschaffen und kurz die Stadt erkunden konnten. Weiter ging es dann mit Präsentationen, die einige unserer Mitschüler vorbereitet hatten über die neue Altstadt und das Bankenviertel. Parallel dazu haben wir dann Teile dieser Gebiete besichtigt, um einen besseren Eindruck für das Ambiente zu erhalten. 

Darüber hinaus haben wir uns den Frankfurter Dom von innen angeschaut und sind abschließend gemeinsam zum Hauptbahnhof gelaufen.

Das Wetter an dem Tag war nicht ganz ideal, aber der strömende Regen hat uns nicht davon abgehalten, die vereinte Zeit zu genießen und neue Kontakte zu knüpfen.

Mette Winkler

Tag 4 
Gedenkstätte Point Alpha – Demokratie-und Europabildung

Am Montagmorgen haben wir uns um viertel nach 8 an der Jugendherberge am Woog getroffen, wo wir von einem Reisebus abgeholt wurden. Dieser brachte uns nach Thüringen an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze zur Gedenkstätte Point Alpha. 

Dort haben wir in getrennten Gruppen eine Führung bekommen. Diese startete im Gebäude (dem Haus auf der Grenze), wo es eine Ausstellung mit vielen Originalstücken gab. Es gab viele Informationen zur Geschichte der deutschen Teilung und einen Blick auf verschiedene Einzelschicksale.

Auf dem Außengelände befinden sich originalgetreue Rekonstruktionen, die einen authentischen Eindruck vom Zeitgeschehen vermitteln. Hier standen sich die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt bis zum Jahr 1990 gegenüber. Point Alpha war einer der wichtigsten Beobachtungsstützpunkte der US-Streitkräfte in Europa.

Wir konnten viele Eindrücke vom Aufbau der Grenzanlagen mit ihren Sicherungselementen und auch dem Leben an und mit der Grenze aus Sicht der Bevölkerung sammeln.

Schließlich haben wir noch die Baracken des US Camps besichtigt, in denen es weitere Ausstellungen gab. Zum Schluss konnten wir in der Cafeteria im US Camp etwas essen und uns aufwärmen. Anschließend sind wir, sehr durchgefroren, wieder in den Bus zurück nach Darmstadt gestiegen. Es war ein schöner Tag und es war interessant an einem Ort zu sein, der schon so viel von der deutschen Geschichte miterlebt hat, doch nach einem kleinen Schneesturm in der Rhön waren bestimmt alle froh, wieder im Warmen zu sein.

Lina Nopper

Tag 5
Unterricht à l’allemande
RadioRadar, Klimalauf: gemeinsam handeln
Abschlussparty: gemeinsam feiern

Freiwillige vor!

Am Dienstag haben sich die deutschen sowie französischen Schülerinnen und Schüler zu einem ganz normalen Schultag in der Edith-Stein-Schule zusammengefunden. Das Programm für diesen Tag bestand aus zwei normalen Schulstunden, gefolgt von zwei

Vorbereitungsstunden für eine Radiosendung, wenn man sich dafür gemeldet hatte. 

In dieser Doppelstunde wurden wir erstmal in Gruppen eingeteilt, die zu jedem Tag etwas schreiben sollten. Das Geschriebene wurde dann am Nachmittag bei Radio Darmstadt ausgestrahlt. RadaR ist ein nicht kommerzielles Lokalradio, das dank seiner internationalen Redaktion u.a. auch muttersprachliche Sendungen im Programm hat, so die französische Sendung Aller Retour abends am 2. Samstag im Monat.

Natürlich sollte die Sendung auf Deutsch und Französisch erfolgen, demnach wurden Vorträge auf beiden Sprachen vorbereitet.

Nach der sechsten Stunde ging es auch schon los und wir machten uns auf den Weg Richtung des Sendestudios. Die französischen Austauschschülerinnen und -schüler kamen früher am Ziel an, da wir Deutschen in den beiden Stunden zuvor eine Arbeit geschrieben und manche (Ich) bis in die Fünfminutenpause gehetzte Sätze verfasst hatten.

Endlich an der Rhein- / Neckarstraße angekommen, ging auch schon die Suche nach dem richtigen Eingang los, mehrere Straßenecken wurden umrundet, bis wir endlich die Sendestation am Steubenplatz gefunden hatten. Die Sendung an sich ging eine ganze Stunde und die Tagesberichte wurden immer von vorher ausgewählten deutschen oder französischen Liedern unterbrochen, um das Ganze ein bisschen aufzulockern. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht an dem Mikrophon zu stehen, mit Kopfhörern auf den Ohren und seiner eigenen Stimme zuzuhören, mit Adrenalin im Körper und Aufregung im Bauch. Während der Aufnahmen war es in dem kleinen Raum mucksmäuschenstill, ab und zu wurde versucht, ein Lachen zu unterdrücken. Die Berichte wurden ausgeschmückt mit improvisierten Fragen und es hieß: Freiwillige vor!

Nach Ende der Sendung flachte der Adrenalinrausch ab und man hatte es geschafft, mit viel Gekicher, verhaspelten Sätzen und einem wohligen Gefühl im Magen.

Mia Hofmann

Klimalauf: Verantwortung übernehmen
eine Aktion des Deutsch-Französischen Jugendwerks anlässlich seines 60. Geburtstages
Gemeinsam Kilometer laufen und dabei Müllsammeln zur Wiederaufforstung

Am Dienstagmittag traf sich eine Gruppe nach der siebten Stunde in C14, welcher an jenem Tag für die französischen Schüler reserviert war.

Nachdem wir uns mit Müllsäcken und Müllzangen bewaffnet hatten, zogen wir in zwei Gruppen in den Kampf gegen die Straßenverschmutzung. Während die eine Gruppe in die Orangerie ging, sammelte die andere Gruppe Zigarettenstummel, Flaschen, Plastikmüll etc. im Prinz-Emil-Garten. Während unserer sogenannten Klimaläufe wurden unsere Strecken mit einer App der deutsch-französischen Jugendorganisation

getrackt, sodass jeder gelaufene Kilometer vom DFJW in Spenden umgewandelt wird und damit ein Wald an der deutsch-französischen Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und der Region Grand Est aufgepflanzt wird. Nach knapp zwei Stunden kehrten wir mit sieben vollen Tüten zurück und entsorgten diese gemäß der Müllart.

Joubin Farsi

Letzter Abend des Erasmus Projekts

 Der letzte Abend begann damit, dass alle Deutschen sich bei den Franzosen in der Jugendherberge getroffen haben. Dort angekommen speisten wir alle gemeinsam Nudeln mit Tomatensauce. Es folgte eine Versammlung in einem Raum der Jugendherberge, in dem dann die Aktivitäten der vergangenen Tage vorgestellt wurden. Interessant waren für uns vor allem die Müllsammelaktion und die Radiosendung, die in Zusammenarbeit von Deutschen und Franzosen veranstaltet wurden. Außerdem sahen wir auch einige Bilder, die während der gemeinsamen Unternehmungen entstanden waren und uns teilweise ordentlich zum Lachen brachten. Im weiteren Verlauf des Abends spielten wir Spiele wie „Kahoot“, „Lieder erraten“ oder auch „Reise nach Jerusalem“.

Zuletzt räumten wir die Stühle bei Seite und es wurde Musik angemacht, was einige auf die Tanzfläche bewegte. Am späten Abend war das Projekt auch schon leider wieder zu Ende und wir alle mussten uns verabschieden.

Insgesamt haben wir bei diesem Projekt tolle Erfahrungen gesammelt und sicherlich viel gelernt.

Alors continuons à cultiver cette amitié franco-allemande et créons encore quelques beaux souvenirs ensemble !

De Jonas et Julius

Un grand merci à toutes les collègues impliquées pour le soutien actif, la bonne entente et les moments chaleureux.
Allen Mitwirkenden gilt ein aufrichtiges Dankeschön für ihre Offenheit und ihr Engagement. Bravo pour cette action commune si motivante!
Ce n’est qu’un au revoir !

Isabelle Rodrigues