Informationen der Schulleiterin, Stand Montag, 7. Oktober 2024
Gedenken an die Opfer des 07. Oktober 2023
Liebe Eltern,
liebe Schüler*innen,
ein Jahr ist vergangenen, seit der terroristische Überfall auf Israel durch die Hamas stattgefunden hat. Ziel waren wehrlose Menschen, Frauen, Männer, Kinder, Junge und Alte, die ohne Argwohn oder der Ahnung einer Bedrohung ihren Aufgaben und Pflichten nachgingen oder etwa auf einem Musik-Festival ihre Freizeit genossen. Über 1200 dieser Menschen wurden brutal ermordet, 250 von ihnen verschleppt. Noch immer werden um die hundert israelische Geiseln vermisst, ein Teil konnte nur tot geborgen werden.
Warum beginne ich mein Schreiben mit der Nennung dieser furchtbaren Tatsachen? Vielleicht möchte der ein oder andere unter uns nichts mehr davon hören, angesichts der täglichen Nachrichten aus der Krisenregion Nahost.
Ich beginne dieses Schreiben deshalb mit den Fakten, weil niemals vergessen werden darf, dass der Überfall der Hamas auf Israel der Auslöser war für alles nachfolgende Leid: Das Leid der palästinensischen und libanesischen Zivilbevölkerung, das Leid der Angehörigen jedes Todesopfers, der Schmerz der Verwundeten, der Hunger und Durst der Kinder, die tiefgreifenden politischen Verwerfungen, das Misstrauen, der Hass – und die Spaltung auch unserer Gesellschaft in der Frage, was angemessen sei und was nicht.
Aber auch das dürfen wir nicht vergessen: Die Trauer der jüdischen Familien um ihre Angehören, die Angst der betroffenen Familien um ihre verschleppten Liebsten, die Traurigkeit eines Volkes über den Verlust des Sicherheitsgefühls, und das Erschrecken der Jüdinnen und Juden weltweit im Erkennen, dass das, was als Akzeptanz und Respekt ihrer Mitbürger wirkte, sich nun bei der Frage der Solidarität als nicht tragfähig erweist.
Der Versuch, sich einen umfassenden Überblick über alle Vorkommnisse, alle militärischen und terroristischen Entscheidungen und Aktionen, alle Folgen und Konsequenzen zu verschaffen, muss fehlschlagen. Zu unübersichtlich ist die Gesamtsituation, zu unzuverlässig die Quellen, zu stark gefärbt bis hin zu verfälscht die Informationen.
Wie also soll man sich da überhaupt eine Meinung bilden, könnte man fragen.
Ich kann hier nur für mich sprechen. Mit hilft mein „innerer Kompass“, der mir ein sicheres Gefühl vermittelt, was ich (persönlich und individuell) für falsch und für richtig halte. Selten sind das schwarz-weiß Einschätzungen, dafür sind die Menschen zu komplex. Ich gehe davon aus, dass wir alle einen solchen inneren Kompass besitzen, man mag ihn Gewissen nennen oder auch anders.
Und auf welchen Standard ist unser Kompass geeicht? Auf christliche Nächstenliebe, auf Mitgefühl, auf den Wunsch nach Frieden in der Welt.
Gleichzeitig sollte uns dies Verpflichtung sein, unsere innere Haltung nach außen zu tragen, gerade dann, wenn wir anderen, wie unseren jüdischen Mitschüler*innen und Familien dadurch beistehen können und ihnen zeigen können, dass sie nicht allein sind.
Im Neujahrs-Newsletter unserer Partnerschule in Haifa, der uns am Dienstag erreichte, stand ein Gebet, das Raefa Hakroush, eine arabisch-muslimische Frau und Rabbinerin Oshrat Morag geschrieben haben. Hier eine deutsche Übersetzung:
Gnädiger Gott,
Wache über die Kinder auf dieser Welt mit Wohlwollen und Mitgefühl.
Bewahre sie vor Schmerz und Krankheit und schenke ihnen Leben voller Liebe, Freude und Gesundheit.
Halte ihre Herzen unschuldig und ihre Seelen rein, lass ihre Augen leuchten.
Stärke ihren Geist in Zeiten der Not und ihren Körper in Zeiten der Schwäche.
Schenke ihnen Gelassenheit im Angesicht der Angst und den Mut, alle Schwierigkeiten zu überwinden.
Bitte gib ihnen die Weisheit, die Welt zu verstehen
Und hilf ihnen denjenigen zu vergeben, die ihnen Schmerz zufügen.
Mögen sie die Fähigkeit haben, anderen zu helfen und das Gute in jedem zu sehen.
Schenke ihnen Träume und Ziele und inspiriere sie, leite sie auf ihrem Weg, ihre Berufung zu erfüllen.
Mögen sie voller Freude leben und sich vom Licht der Hoffnung auf ihrem Weg leiten lassen.
Liebender Vater,
Wache über die Kinder, um ihre Eltern vor Trauer zu bewahren, und gewähre ihnen das Glück, sie in Frieden aufzuziehen.
Mögen die Kinder behütet durchs Leben gehen und möge ihr Leben voller Chancen sein, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben und ihrem Geschlecht.
Möge Frieden mit ihnen und um sie sein,
und die Welt durch ihre Liebe Frieden finden.
Amen.
Dieses Gedicht drückt in so umfassender Weise aus, was ich den Kindern dieser Welt und uns allen wünsche, dass ich dem nichts hinzuzufügen habe. Wir stehen mit unserer Partnerschule in Kontakt und ich fragte nach, ob ich dieses Gebet an Sie alle weitergeben darf.
Ich möchte Sie auch auf den Newsletter zu Rosh Hashana 5785 der Schule hinweisen, der über unsere Homepage verlinkt ist. Zum einen erhalten Sie einen kleinen Eindruck von der Situation dort, zum anderen bietet der Newsletter die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung der Betreuungsprojekte für Kinder, die das Leo Baeck Educational Center leistet, nach der ich bereits mehrere Male gefragt wurde.
So haben Sie die Möglichkeit, direkt und ohne Umweg zu helfen, was dort direkt Kindern in der belastenden und bedrohlichen Lebenssituation zugutekommt.
Mit freundlichen Grüßen
D. Krumpholz
Schulleiterin
