Am 10. Juni 2025 fand für zwei Französischkurse der 12. Jahrgangsstufe eine Autorenbegegnung mit dem kamerunischen Schriftsteller Enoh Meyomesse statt, die von Frau Althaus organisiert worden war. Zuvor bereiteten wir uns im Unterricht auf die Autorenbegegnung vor, indem wir uns über Kamerun und die Geschichte der französischen Kolonisation informierten.
Die Autorenbegegnung begann dann damit, dass Enoh Meyomesse sich vorstellte. Er ist ein kamerunischer Autor und Aktivist, der seit 10 Jahren in Deutschland lebt. Zuvor war er in Kamerun politisch aktiv und strebte dort im Jahr 2011 eine Kandidatur als Präsident an. Wegen seiner Kritik an der kamerunischen Politik wurde er jedoch 2011 verhaftet und war bis zu seiner Befreiung im Jahr 2015 inhaftiert in einem kamerunischen Gefängnis. Diese Zeit beschrieb Enoh Meyomesse als schrecklich, da er sehr viel Gewalt erleben musste.
Als verfolgter Schriftsteller ist Meyomesse heute Teil der internationalen Organisation PEN, die ihren deutschen Sitz in Darmstadt hat und sich für die Meinungsfreiheit in der Literatur einsetzt. Auch wenn er heute in Darmstadt lebt, verbringt er manchmal einige Wochen in seinem Heimatland Kamerun. Dort ist es für ihn auf Grund der fehlenden Infrastruktur jedoch schwieriger, seiner Arbeit nachzugehen. Außerdem gestaltet sich die Veröffentlichung seiner Bücher in Kamerun schwierig.
Insgesamt erhielten wir hier also sehr interessante Einblicke in die Biografie von Enoh Meyomesse.
Weiter ging es dann mit den ersten Fragen, die wir uns auch teilweise schon zuvor im Unterricht überlegt hatten. Auf die Fragen gab Meyomesse jeweils interessante Antworten. So konnten wir Näheres zu den aktuellen Problemen in Kamerun und anderen afrikanischen Ländern erfahren. Auf Grund der Kolonialzeit gibt es dort viele verschiedene Sprachen. Die lokalen, afrikanischen Sprachen verschwinden heutzutage zunehmend, da gerade die jungen Leute vermehrt Englisch sprechen. Das wird zum Problem, da mit der Sprache auch die afrikanische Kultur in den Hintergrund gerät. In Bezug auf die Auswirkungen der Kolonialzeit erwähnte Meyomesse außerdem, dass die europäischen Imperialisten ihre Ansichten und Systeme der gesellschaftlichen Organisation einfach auf die afrikanischen Länder übertragen hätten. Ihnen wurde ein System aufgezwungen, dass die ursprüngliche Organisation der afrikanischen Gesellschaft in Stämmen ignoriert hat. Meyomesse findet, dass die afrikanischen Länder wieder ihre eigenen Ansichten und gesellschaftlichen Systeme zurückerlangen sollten.
Meyomesse erzählte uns auch, dass es noch ein weiteres, großes Problem in Afrika gibt. Afrikanische Länder bestehen aus vielen verschiedenen Gemeinschaften mit unterschiedlichen Traditionen und Meinungen, die aber gemeinsam in einem Land leben. Das führt dann zum Beispiel zu kulturellen Spannungen und Bürgerkriegen. Als mögliche Lösung schlägt Meyomesse eine Orientierung an der Schweiz vor. Trotz der verschiedenen Sprachen leben die Menschen hier gemeinsam in einem Land. Das Zusammenleben wird dort zudem durch direktdemokratische Elemente ergänzt. Auch der Föderalismus in Deutschland könnte zum Vorbild genommen werden.
Außerdem fragten wir ihn nach seiner Meinung zur aktuellen deutschen Politik und wie er die zunehmenden Wahlerfolge der AFD bewertet. Hier gab Meyomesse die Antwort, dass der zunehmende Rechtsextremismus für ihn absolut unverständlich ist, wenn man die Geschichte Deutschlands betrachtet. Diese sollte man nie vergessen.
Schließlich interessierten wir uns für Ratschläge, die er jungen Leuten in Kamerun geben würde. Hierbei riet Enoh Meyomesse zu Geduld und dazu, sich zunächst im eigenen Land zu engagieren.
Insgesamt war die Autorenbegegnung mit Enoh Meyomesse sehr interessant. Wir lernten seine friedliche und verständnisvolle Art kennen, mit der er Aktivismus betreibt und als Autor tätig ist. Seine Erzählweise war sehr emotional und trotz der schweren Themen nutzte er Humor, um uns seine Biografie und sein Heimatland Kamerun näherzubringen. Wir hatten zwar machmal Schwierigkeiten alles zu verstehen, wenn er schnelleres Französisch sprach, doch abschließend konnten wir alle viel mitnehmen aus dieser Autorenbegegnung.
Johanna und Yolanda
