Am 22. März 2025 fand die feierliche Preisverleihung des DFG-Schreibwettbewerbs statt, und ich hatte das Glück, den ersten Preis zu gewinnen. Der Abend war von einer einzigartigen Atmosphäre geprägt – zwischen Nervosität und Vorfreude, ohne zu ahnen, dass der Preis ein wiederholtes Mal nach Darmstadt gehen würde.
Der Abend begann mit den Präsentationen der vier Finalisten. Ich stellte meinen Text „Si, différent, et si pareil“ vor, das die Themen Chancenungleichheit und die Illusion der Meritokratie in einer diversen Gesellschaft behandelt. Die Geschichte von Youcef, einem Jugendlichen aus einer algerischen Einwandererfamilie in einer Pariser Banlieue, der selbst an einem Schreibwettbewerb teilnimmt, spiegelt die Herausforderungen und Ungleichheiten wider, denen viele in Frankreich gegenüberstehen. Sie hinterfragt, ob es in einem System, das strukturell benachteiligt, überhaupt möglich ist, sich zu beweisen.
Nach den Präsentationen und einem ersten Austausch unter den Finalisten folgte eine Wartezeit, in der die Nervosität kaum auszuhalten war. Zum Beginn der offiziellen Veranstaltung wurden wir von einem fantastischen Bläser-Ensemble begrüßt, das den Abend musikalisch begleitete. Es folgten herausragende Beiträge von Vertreterinnen und Vertretern der Politik und der Deutsch-Französischen-Gesellschaft. Explizit sei hier die Rede des DFG-Präsidenten Christophe Braouet zu nennen, die in ihrer Leidenschaft und klaren Vision die Bedeutung der Deutsch-Französischen-Freundschaft unterstrich, in ihrer Aktualität zum Nachdenken angeregte und zu Engagement aufgeforderte. Als dann bei der Preisverleihung mein Name als Gewinner genannt wurde, war ich sowohl überrascht als auch unglaublich erleichtert und natürlich unfassbar glücklich. Es war der Moment, der all die Anstrengung und intensive Arbeit des Schreibens belohnte.
Der Abend war jedoch mehr als nur eine Preisverleihung. Er war ein Beweis der lebendigen deutsch-französischen Freundschaft. In einer Welt, in der der Austausch zwischen Kulturen von extremistischen und nationalistischen Kräften zunehmend vernachlässigt und bedroht wird, zeigt dieser Wettbewerb die Signifikanz der interkulturellen Bildung auf und demonstriert, wie Sprache und Literatur Brücken bauen können. Ich war stolz, Teil dieses Ereignisses zu sein und ein kleinen Teil zu der engen Verbindung beitragen zu können.
Ich muss mich herzlich bei der Deutsch-Französischen Gesellschaft, die diesen Wettbewerb seit nun 15 Jahren ermöglicht, sowie bei meiner Lehrerin Frau Althaus und meiner Familie, die mich auf diesem Weg begleitet haben, bedanken. Denn wenn eines aus meinem Werk hervorgeht, dann ist es, dass auch wenn am Ende nur ein Name als Gewinner genannt wird, dieser Erfolg ein gemeinsamer ist: Einer, der nicht nur durch die Unterstützung vieler möglich wurde, sondern ihnen ebenso gebührt – und für all jene ist, die am erfolgreichsten bilateralen Projekt der europäischen Geschichte teilhaben möchten.
In diesem Sinne: Vive l’amitié franco-allemande!
Jonathan Werner, Französisch-LK, 12

Zum Schreibwettbewerb:
Die Deutsch-Französische Gesellschaft Frankfurt lädt jedes Jahr im Herbst Schülerinnen und Schüler der E-Phase und der Q-Phase ein, einen freien Beitrag von
ca. 5 Din A4 Seiten auf französisch selbständig zu verfassen und einzusenden.
Das Thema soll einen Frankreichbezug aufweisen, kann ansonsten aber frei gewählt werden.
Aus allen Einsendungen werden 4 Finalistinnen/Finalisten zur Vorstellung ihrer Arbeit in einem Vortragsgespräch mit einer Jury in den Frankfurter Römer eingeladen.
Direkt im Anschluss findet die feierliche Preisverleihung im dortigen Kaisersaal statt.
Der 1. Preis ist mit 600€ für den Schüler und 300€ für die Fachschaft der Schule dotiert.

